Palästinensische Gebiete .

Rahmenbedingungen
Die Situation in den Palästinensischen Gebieten hat sich seit Ausbruch der zweiten Intifada im Jahr 2000 erheblich verschlechtert. Die Einheitsregierung von Hamas und Fatah ist Mitte 2007 gescheitert. Seit dem Gaza-Krieg 2008/2009 und der Abriegelung des Gazastreifens spitzt sich die sozio-ökonomische Lage in Gaza weiter zu.
Das durchschnittliche Einkommen der Bewohner in den Palästinensischen Gebieten hat sich im Vergleich zu 1999 um rund ein Drittel verringert, die Arbeitslosigkeit liegt bei mehr als 23 Prozent. Ungefähr 60 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze, über 45 Prozent sind unter 14 Jahre alt. Die Menschen sind stark vom Arbeitsmarkt in Israel und dem israelischen Wirtschaftsraum abhängig. Da der gesamte Export über Israel abgewickelt wird, werden Transport und Vermarktung palästinensischer Produkte und Dienstleistungen beeinträchtigt.
Die israelischen Sicherheitskräfte verhängen immer wieder Teil- und Vollsperrungen der Palästinensischen Gebiete. Die von Israel errichtete Sperranlage reicht zum Teil bis tief in die Westbank hinein. Die Bewegung innerhalb von Bezirken und zwischen Ortschaften sowie der Zugang zu Ackerland, Wasserquellen, Behörden, Arbeitsstellen, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen sind eingeschränkt und z.T. unmöglich. Die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit für Menschen und Güter behindern massiv die ökonomische Entwicklung und sind Ursache für Arbeitslosigkeit und Armut. Landnahme und Siedlungspolitik lassen die Hoffnung auf einen eigenständigen Staat immer weiter schwinden. Resignation und Aggression sind die Folge.
Schwerpunktbereiche der deutschen Entwicklungszusammenarbeit
Die Schwerpunkte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in den Palästinensischen Gebieten sind:
- Wasser, Abwasser, Abfallentsorgung
- Wirtschaftsreform und Beschäftigung
- Förderung von Institutionen
Engagement des DED
Das DED -Engagement in den Palästinensischen Gebieten ordnet sich in alle drei Schwerpunkte ein. Der DED- Ansatz zielt auf eine Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage der Menschen. Durch den Einsatz von Fachkräften des Zivilen Friedensdienstes leistet der DED einen Beitrag zur Friedensförderung und zum Abbau der Konflikte innerhalb der palästinensischen Gesellschaft.
Wasser
Ziel im Schwerpunkt Wasser, Abwasser und Abfallentsorgung ist die Sicherung des ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltigen Wasserressourcenmanagements. Da in den dicht besiedelten Gebieten ein enger Zusammenhang zwischen Qualität des Grundwassers und der Abfallentsorgung besteht, wurde die Abfallwirtschaft in diesen Schwerpunkt integriert.
Im Bereich Abfallmanagement leistet der DED in Kooperation mit GTZ und KfW einen Beitrag zur Verbesserung des Abfallmanagements auf lokaler Ebene. Ziel ist die Verbesserung der Siedlungshygiene. Der Abfallzweckverband mehrerer Stadtverwaltungen wird bei der Organisation der städtischen Müllabfuhren und bei der technischen Unterhaltung der städtischen Betriebshöfe unterstützt. Die Stärkung der institutionellen Kompetenz, die Förderung der Bürgerbeteiligung sowie die Einführung kostengünstiger und umweltfreundlicher Abfallsammlung und -entsorgung unterstützen eine verbesserte Siedlungshygiene und bewirken gesündere Lebensbedingungen für die Bevölkerung. Weiter wird durch Maßnahmen der Aufklärung das Umweltbewusstsein der Bevölkerung gestärkt.
Im Bereich Wasser findet die Beratung von Wasserversorgungsunternehmen bzw. von Joint Service Councils (Betreiber der regionalen Kläranlage) sowohl im technischen Bereich (Betrieb und Instandhaltung) als auch in der Bewusstseinsbildung und Hygieneaufklärung statt. Der Schutz der Grundwasserressourcen und Kapazitätsentwicklung bei der Abwasserentsorgung erfolgt durch Beratung der lokalen Verwaltungen.
Wirtschaftsreform und Beschäftigung
Hauptziele in diesem Schwerpunkt sind die Entwicklung eines leistungsfähigen privaten Wirtschaftssektors und die Schaffung neuer Arbeitsplätze.
Der DED unterstützt eine arbeitsmarktorientierte, berufliche Bildung in Palästina und hat zum Ziel, Strukturen für eine qualitativ hochwertige technische Fachausbildung für junge Palästinenser zu sichern und deren Chancen auf dem nationalen und internationalen Arbeitsmarkt zu erhöhen. Die moderne Ausbildung ist eine Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit palästinensischer Unternehmen auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene.
Im Bereich Arbeitsmarktpolitik wird die Entwicklung von Förderansätzen unterstützt. Lokale Handwerkskammern und Industrieverbände werden beim Aufbau von Strukturen und Systemen beraten, die unmittelbar auf die Bedürfnisse der Mitglieder zugeschnitten sind. Die Förderung privatwirtschaftlicher Entwicklung hat zentrale Bedeutung für die Schaffung produktiver Beschäftigungsmöglichkeiten und Einkommensquellen, insbesondere für arme Bevölkerungsgruppen und Frauen.
Förderung von Institutionen
Komplementär zum Engagement der GTZ auf nationaler Ebene konzentriert der DED sein Engagement auf die Gemeinde- und Verbandsebene sowie auf die Stärkung zivilgesellschaftlicher Organisationen. Im Rahmen der Dezentralisierung kommt der Gemeindeebene besondere Bedeutung zu. Ziel ist, dass die Institutionen effizienter, bürgernäher und demokratischer werden.
Der DED -Beitrag zielt auf die Stärkung des Demokratieverständnisses sowie eine Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung mit Basisdienstleistungen durch Kommunen und Organisationen der Zivilgesellschaft. Im Rahmen der Entwicklungsmaßnahme „Beratung im Aufbau und in der Weiterentwicklung bürgernaher Institutionen“ werden lokale Partnerorganisationen bei Fragen der Organisationsentwicklung, des Projektmanagements sowie der Stärkung der fachlichen Kompetenzen der Mitarbeiter unterstützt. Die Förderung des Dialogprozesses zwischen den Kommunen und der Zivilgesellschaft verbessert die Dienstleistungen der Institutionen. Partizipative Planungsmethoden werden etabliert und die Einbindung der Bevölkerung in die lokale Entwicklung gestärkt.
Engagement außerhalb der Schwerpunkte:
Ziviler Friedensdienst
Das Engagement im ZFD wirkt komplementär zu den Entwicklungsmaßnahmen in den Schwerpunkten.
Ziel ist, die Polarisierung innerhalb der palästinensischen und zwischen der palästinensischen und israelischen Gesellschaft durch Stärkung von Dialogfähigkeit und von gewaltfreiem Handeln zu überwinden und die Bevölkerung vor den Auswirkungen aller Formen von Gewalt zu schützen. Der DED unterstützt Partnerorganisationen bei der Aus- und Weiterbildung in gewaltfreier Konfliktbearbeitung, friedenspädagogischen Maßnahmen und der Begleitung und Intensivierung innergesellschaftlicher, zwischengesellschaftlicher und grenzüberschreitender Dialogprozesse. Die Verbesserung psychosozialer Kompetenzen durch Aus- und Fortbildung der psychologischen Fachkräfte und Sozialarbeiter in lokalen Organisationen führen zu neuen Formen einer Krisen- und Konfliktbearbeitung, die insbesondere für Frauen, Familien und Jugendliche Grundvoraussetzung für die Eindämmung der Gewaltbereitschaft und die Stärkung der Fähigkeit zu friedlicher Koexistenz unter den gegebenen Umständen sind.
Weitere Informationen finden Sie auf der Landesinformationsseite Palästina.
Kontakt
Regionalgruppe Nahost, ZentralasienE-Mail: R5@ded.de
Weitere Informationen:
Nahost, Zentralasien
Landesbüro.
German Development Service
P.O. Box 2160
Ramallah
Palästinensische Gebiete
E-Mail: pse@ded.de
Webseite des DED in den Palästinensischen Gebieten.
Aus der Praxis.
DED engagiert sich bei Wahlbeobachtungen
Ob bei der Wahl am 9. Januar 2005 in den Palästinensischen Gebieten tatsächlich alles mit rechten Dingen zugegangen ist, darüber haben unter anderem rund 800 internationale Wahlbeobachter gewacht, unter ihnen auch acht Fachkräfte des DED, die Gaza und die Westbank aus eigenem Erleben schon seit längerem kennen. Sie berichten von ihren Eindrücken.
Erste Entwicklungshelfer in den palästinensischen Gebieten
Palästina? Israel? Besetzte Gebiete? Oder einfach nur "territories"? Wo arbeiten Sie, werden die vier ersten DED-Fachkräfte, die seit Anfang Juni in (ja wo? siehe oben) immer wieder gefragt.

