Afghanistan .

Rahmenbedingungen
Die weiterhin instabilen Rahmenbedingungen stellen die Entwicklungszusammenarbeit vor besondere Herausforderungen. Die traditionell schwache Regierung unter dem derzeitigen Präsidenten Karzai verliert durch Korruptionsfälle und klientelistische Regierungsumbildungen zunehmend an Legitimation in der Bevölkerung. Fehlende Rechtssicherheit behindert die Umsetzung demokratischer Grundwerte für eine breite Bevölkerungsschicht.
Die afghanische Wirtschaft ist erheblichen Wachstumsschwankungen unterworfen. Die zerstörte oder gar fehlende Infrastruktur, insbesondere in ländlichen Regionen, behindert den Aufbau privatwirtschaftlicher Unternehmen und den Handel. Der Arbeitsmarkt ist geprägt durch ungebildete Arbeitskräfte. Das Bildungssystem ist unterentwickelt. Landesweit lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, Frauen sind besonders stark betroffen. Rasante Preissteigerungen um bis zu 300 Prozent bei den knappen Grundnahrungsmitteln zerstören die ersten wirtschaftlichen Fortschritte. Ethnische Konflikte brechen im Kampf um die knappen Ressourcen wieder auf.
Die Lage verschärft sich durch die erzwungene Rückkehr tausender afghanischer Flüchtlinge, die von den Nachbarländern Pakistan und Iran abgeschoben werden. Parallel dazu hat sich die Sicherheitslage im Verlauf der vergangenen zwei Jahre vor allem im Süden deutlich verschlechtert. Inzwischen kontrollieren auch im Norden Warlords mit Geldern aus großflächigem Drogenanbau und -handel weite Teile des gesellschaftlichen Lebens und behindern das Entstehen demokratischer Strukturen.
Schwerpunktbereiche der deutschen Entwicklungszusammenarbeit
In den Regierungsverhandlungen im Juni 2008 wurden die bisherigen Schwerpunkte der Entwicklungszusammenarbeit zwischen Deutschland und der Islamischen Republik Afghanistan bestätigt:
- Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
- Wasser
- (Erneuerbare) Energien
- Bildung
Weitere Themen der deutsch-afghanischen Zusammenarbeit sind: Förderung der Rechtsstaatlichkeit, Förderung der Menschenrechte, Förderung von Mechanismen der Friedensentwicklung, Kampf gegen die Korruption und Eindämmung des Mohnanbaus und Drogenhandels. Regional konzentriert sich die deutsche Entwicklungszusammenarbeit auf den Norden und Nordosten sowie auf die Hauptstadt Kabul.
Engagement des DED
Der DED ist in allen Schwerpunktbereichen tätig und legt besonderes Augenmerk auf die Verbesserung der ökonomischen Lage der Bevölkerung durch nachhaltige Wirtschaftsentwicklung. Außerhalb der Schwerpunkte begleitet der DED die deutschen Entwicklungsanstrengungen mit einem umfangreichen Programm des Zivilen Friedensdienstes sowie mit der Entwicklungsmaßnahme „Beratung einheimischer Organisationen in Öffentlichkeitsarbeit“. Räumlich konzentriert sich der DED entsprechend den Regierungsvereinbarungen auf den Norden und Nordosten sowie auf die Hauptstadt Kabul.
Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
Ziel des DED-Beitrags ist es, zu einem stabilen Wirtschaftswachstum beizutragen. Der DED konzentriert sich hierbei auf die Berufliche Bildung. Durch eine arbeitsmarkt- und unternehmensorientierte Berufsausbildung bzw. Weiterbildung wird der Arbeitsmarkt mit den dringend benötigten Fachkräften versorgt und dadurch indirekt ein einkommens- und beschäftigungswirksames Wirtschaftswachstum gefördert. Der DED bildet Lehrpersonal von staatlichen Berufsschulen und Trainingszentren sowie von Lehrwerkstätten kleiner und mittelständischer Unternehmen in der Vermittlung von handwerklichen Fertigkeiten, Produktqualität und Betriebswirtschaft aus. Außerdem beraten DED-Fachkräfte die zentrale Handwerkervereinigung sowie staatliche Organisationen im gezielten Einsatz von Wirtschaftsförderinstrumenten.
Wasser
In diesem Schwerpunkt unterstützt der DED das Ministerium für städtische Entwicklung und das staatliche Wasserversorgungsunternehmen CAWSS (Central Authority for Water Supply and Sanitation) in den Städten Kabul, Herat und Kunduz, um die Trinkwasserversorgung der Stadtbevölkerung zu verbessern. Fachkräfte des DED beraten das Personal der beteiligten Institutionen in technischen, betriebswirtschaftlichen, organisatorischen und planerischen Fragen.
Erneuerbare Energien
Ziel dieses Schwerpunkts ist die Sicherstellung der dezentralen, ressourcenschonenden Stromversorgung in ausgewählten Städten des Landes. Der DED unterstützt die Aus- und Weiterbildung des Fachpersonals des Ministeriums für Energie und Wasser sowie des lokalen Personals. Mit dieser Entwicklungsmaßnahme soll ein selbständiges Management von Kleinwasserkraftwerken sowie die Verbreitung von erneuerbaren Energiesystemen in ländlichen Regionen im Nordosten und Norden erreicht werden.
Bildung
Neben dem langfristigen Ziel, den allgemeinen Bildungsgrad in der Bevölkerung zu steigern, sollen mittelfristig die Grundlagen dafür geschaffen werden, gut gebildete Erwachsene für den Arbeitsmarkt bereitzustellen. Der DED konzentriert sich in einem gemeinsamen Vorhaben mit der GTZ auf die Schulung von Trainern und Trainerinnen für die Ausbildung vor allem weiblicher Lehrkräfte. Mit einer Schnittstelle zum Programm des Zivilen Friedensdienstes werden relevante Themen der Friedenspädagogik und Traumaarbeit ebenfalls behandelt, um die Lehrkräfte als Multiplikatoren für Bildungs- und Versöhnungsarbeit zu nutzen.
Engagement außerhalb der Schwerpunkte
Ziviler Friedensdienst
Hauptziel des DED-Engagements ist der Aufbau und die Stärkung einer Friedenskultur unter den afghanischen Ethnien. DED-Friedensfachkräfte beraten Nichtregierungsorganisationen, die nationale Menschenrechtskommission und staatliche Multiplikatoren in Bildungs- und Versöhnungsarbeit durch Medien, bei der Stärkung lokaler Konfliktregelungsmechanismen sowie in konfliktsensitiver Projektarbeit. So wird einer Eskalation ethnisch motivierter Gewalt entgegengewirkt und die Bereitschaft in der Bevölkerung zu gegenseitigem Verständnis, Toleranz und friedlichem Zusammenleben gefördert. Die Verschlechterung der allgemeinen Lebensbedingungen für den Großteil der Bevölkerung und die daraus resultierende Zunahme an Konflikten erschwert die Bemühungen um eine Friedenskultur.
Provinzentwicklungsfonds
Der Fonds fördert parallel zu den Maßnahmen der zivilmilitärischen Zusammenarbeit Infrastrukturmaßnahmen und Fortbildungen. Die Projektbudgets stehen den Provinzregierungen zur Verfügung, um in bürgernahen Entscheidungsprozessen schnell wirksame Projektaktivitäten in den Gemeinden realisieren zu können. Dadurch werden die Verwaltungs- und Wirtschaftsstrukturen afghanischer Provinzen gestärkt und die Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung sichtbar verbessert. DED-Fachkräfte beraten die Entscheidungsgremien ebenso wie die Gemeindevertreter, die mit der Planung und Umsetzung der Projekte befasst sind.
Weitere Informationen finden Sie auf der landeskundlichen Informationsseite Afghanistan.
Stand: Januar 2009
Kontakt
Regionalgruppe Nahost, ZentralasienE-Mail: R5@ded.de
Weitere Informationen:
Nahost, Zentralasien
Landesbüro.
DED
AFG / Feldpost
64298 Darmstadt
E-Mail: dedafg@web.de
Webseite DED in Afghanistan.
Ländermappe / Tipps für Neueinreisende.
Umfangreiche Informationen für Bewerber und Bewerberinnen über Afghanistan und die dortigen Lebensbedingungen:
Ländermappe Afghanistan (PDF, 3,1 MB)
Tipps für Neueinreisende (PDF, 1 MB)
Leben und Arbeiten in Afghanistan.
Zwei Filme der ehemaligen DED-Entwicklungshelferin Bettina Maaß zeigen anschaulich die Arbeit des DED in Kabul und Kunduz. Entwicklungshelfer/innen berichten, wie das Leben und Arbeiten in Afghanistan ist.
Leben und Arbeiten in Afghanistan - dazu mehr...
DED-Publikation.
Ziviler Aufbau in Afghanistan – Der Beitrag des DED
Die Broschüre gibt einen aktuellen Überblick über die vielfältige Arbeit des DED vor Ort und verdeutlicht anhand konkreter Projekte, dass die Unterstützung des zivilen Aufbaus für die nachhaltige Entwicklung des Landes von großer Bedeutung ist.
Ziviler Aufbau in Afghanistan (PDF, 483 KB)
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Aus der Praxis.
Präsident Karzai empfängt Friedensaktivistinnen
Am 27. Oktober 2009 empfing der afghanische Präsident Hamid Karzai die Teilnehmerinnen der Abschlusskonferenz der diesjährigen „Friedenskarawane“ in seinem Palast. Sie überreichten ihm einen gemeinsam erarbeiteten Forderungskatalog, der sich an die künftige Regierung richtet.
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Kabul Chronik - Wahlberichterstattung aus Afghanistan
Am 20. August 2009 wurde in Afghanistan gewählt. Unsere Kollegen in Afghanistan haben aus erster Hand von den Wahlen und den kritischen Tagen danach berichtet. Alle Beiträge rund um die Wahl finden Sie hier.

