Internet in ländlichen Gebieten .

Schweiß treibender Computertransport zur Schule.
Mit jeweils einem Computer auf den Schultern quälen sich die Mitarbeiter aus dem Projektteam des Center for Industrial Technology & Enterprise (CITE) den Anstieg hinauf zur Nava National Highschool. Diese Schule ist eine von sieben, die sie im Rahmen des Programms ILIRA (Information Literacy in Rural Areas, ein Gemeinschaftsprojekt von DED und CITE) an das Internet anschließen. Die Nava National High School in Hinunangan liegt im Südosten von Leyte, einer der Visayas Inseln.
Ein Lehrer und ein Student von CITE beim Reparieren eines Rechners.Wie alles anfing
Der Erfolg des philippinenweit ersten solarbetrieben Computerlabors/Internet Cafés in Cabilao Island Bohol (www.cabilaosolarproject.net) hat CITE motiviert, Computerräume mit Internetanschluss in ländlichen Gebieten zu installieren.
Die High School in Cabilao Island verfügt seit September 2004 über sechs Computer, die über eine Satellitenverbindung mit dem Internet verbunden sind.
Außerhalb der Schulstunden dienen die Computer als „Internet Café“, das von Einheimischen und Touristen regelmäßig genutzt wird. Mit diesem Einkommen ist die Schule in der Lage, die monatliche Internetgebühr sowie zusätzlich anfallende Kosten zu bezahlen und erwirtschaftet sogar noch einen kleinen Überschuss.
Der eigentliche Erfolg des Projektes lässt sich jedoch an einem anderen Ergebnis festmachen. Konnten in den letzten Jahren lediglich durchschnittlich 3,3 von zehn Schülern die Anforderungen der philippinischen Ausbildungsbehörde erfüllen so sind es bereits nach eineinhalb Jahren mit Computerausbildung 7,7 von zehn Schülern. Dies und die Tatsache, dass die Schule im Ausbildungsvergleich mit 105 High Schools von Platz 85 auf Platz 13 geklettert ist, zeigt, wie wichtig der Zugriff auf Informationen in ländlichen Gebieten ist.
Ein Grund für die bessere Ausbildung: Die Lehrer müssen nun nicht mehr den Stoff aus der veralteten Bibliothek unterrichten, sondern können mit Hilfe des Internets ihren Unterricht mit „tagesaktuellen“ Informationen gestalten. Vom Internet profitieren natürlich auch die Schüler selbst. Für eine monatliche Gebühr von weniger als 50 Cent können die Schüler das Internet jederzeit - auch am Wochenende - nutzen.

Die Satellitenanlage wird von einem Projektmitarbeiter installiert.
ILIRA wurde geboren
Mit dem Projekt ILIRA will das Projektteam von CITE nun auch andere Schulen in den Genuss des Internets und der Computerausbildung kommen lassen. Der Fokus liegt hierbei weniger auf dem „Solaraspekt“, wobei CITE natürlich für den Fall, dass die Schule keinen Strom hat, bestens gerüstet ist, wie das Cabilao Projekt gezeigt hat. Vielmehr geht es darum, entlegenen Gebieten den Zugriff auf das Internet und die damit verbundenen Informationen zu ermöglichen.
Für alle Schulen, die Teil dieses Projektes sind, gelten die gleichen Voraussetzungen. CITE erwartet eine prozentuale Beteiligung der lokalen Regierung (ca. 20 Prozent) und einen Nachweis, dieses Projekt eigenständig und selbständig betreiben zu können. Hierzu wird für jedes Projekt ein Gremium gebildet, das sich aus Mitgliedern der Schule und der Gemeinde zusammensetzt. Eine Wirtschaftlichkeitsrechnung, die in diesen Gremien erstellt wird liegt, jedem Projekt zugrunde. Jedes ILIRA-Projekt beinhaltet die Bereitstellung der Hardware (Computer und Satellit), die Einrichtung und Vernetzung der Computer, sowie verschiede Lehrertrainings (Grundlagen in Informatik, Netzwerkadministration und E-Learning). Um den Schulen Zeit zu geben, ein Gremium für die Nachhaltigkeit des Projekts zu etablieren, werden die ersten sechs Monate der Internetverbindung von CITE übernommen.
Finanzierung auf mehrere Schultern verteilen
Im Gegensatz zu dem Cabilao Projekt, das als „Pilotprojekt“ noch komplett vom Gate-Programm der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) finanziert wurde, konnten für „ILIRA“ erste „philippinische“ Partner von der Idee überzeugt werden. Neben Geldern von GTZ und DED beteiligen sich nun auch Philippine Business for Social Progress in Kooperation mit Microsoft Philippines an dem Projekt. Desweiteren wurde mit dem „Satellitenbetreiber“ ein Abkommen geschlossen, sodass jede Schule, die CITE ans Internet anschließt, einen 30 Prozent Rabatt auf die monatliche „Flatrate“ bekommt.
Unysis Philippines wird sich ab August ebenfalls an dem Projekt beteiligen und zehn Computer zur Verfügung stellen.
Die Planungen für das zweite Halbjahr laufen bereits auf Hochtouren und das Projektteam ist zuversichtlich, bis Ende des Jahres mindestens zwei weitere Schulen in Mindanao an das Internet anzuschließen. Diese Zuversicht kann höchstens durch die Hardware-Lieferengpässe des Satellitenbetreibers getrübt werden, der offenbar nicht mit einem solchen Ansturm an Satellitenanlagen für 2006 gerechnet hat.
Text und Fotos: Jens Funk, Entwicklungshelfer in Cebu
Weiter Informationen:
www.ilira.org
www.cabilaosolarproject.net


