ZFD Ruanda und "Voice of America" machen gemeinsame Sache .

Jugendradio „Heza!“ gestartet
„Meine eigene Stimme im Radio zu hören ist so unglaublich schön, dass ich es kaum in Worte fassen kann“, sagt der 21-jährige Pierre Kanuma anlässlich der Eröffnung der neuen ruandischen Radiosendung „Heza!“ am 5. Januar 2008. Er ist einer von acht jungen Journalisten, die die Sendung von Jugendlichen für Jugendliche gestalten, die seit dem 6. Januar wöchentlich für eine halbe Stunde auf Sendung ist. Betreut wird das Ganze von Andreas Wagner, Friedensfachkraft des DED/ZFD im Bereich Friedensmedien in der Maison des Jeunes de Kimisagara (MJK). Partner des Projekts sind Voice of America (VOA) und das Forum des Jeunes de Giramahoro.
„Heza!“ bedeutet, wörtlich übersetzt, „ein Ort, an dem man sich zu Hause fühlt“; oder auch übertragen, „ein Ort, an dem man Frieden findet“. Und genau das ist das Ziel von „Heza!“: Frieden zu fördern.
Dies ist, wenn man Ruandas jüngere Geschichte betrachtet, keinesfalls selbstverständlich. Bis 1994 nahm vor allem das ruandische Radio eine sehr finstere Rolle ein. Über den Radiosender RTLM (Radio Télévision Libre des Milles Collines) wurden Hasspredigten und Hetzreden ausgestrahlt und die Hörer wurden angestiftet, die grausamsten Verbrechen an ihren Nachbarn und Freunden zu begehen. Diese Epoche ist zum Glück überwunden.
Heza-Journalist Pierre (rechts) während des Radiotrainings
Doch nicht nur die 15 bis 23 Jahre alten Journalisten, die die Themen auswählen und bei der Produktion der Reportagen selbst Hand anlegen, haben Grund zur Freude. Landesdirektorin Claudia Lormann erklärte in Ihrer Rede, dass die Eröffnung von „Heza!“ einen weiteren wichtigen Höhepunkt des deutschen Engagements in Ruanda darstellt. Zwar engagiert sich der DED/ZFD seit 2002 im Jugendzentrum (Maison de Jeunes) Kimisagara. Doch nun erreicht man nicht nur die dort ansässigen Kinder und Jugendlichen, sondern auch diejenigen auf Ruandas Hügeln, also die auf dem Land. Denn während in der Hauptstadt Kigali das Fernsehen eine immer wichtigere Rolle spielt, haben die ländlichen Regionen dazu keinen Zugang; hingegen wird Radio auf dem Land von Jung und Alt gehört.
Die in der Landessprachen Kinyarwanda ausgestrahlte Sendung ist das Ergebnis einer deutsch-amerikanisch-ruandischen Kooperation (DED/VOA/Forum Giramahoro), die durchaus als Vorbild für eine engere Zusammenarbeit in anderen Bereichen dienen kann. Vor allem aber ist der Bereich Medien- und Jugendarbeit unerlässlich für Friedenserziehung. Denn Kinder und Jugendliche machen heute immer noch den Großteil der ruandischen Gesamtbevölkerung aus.
Dass die Eröffnungsfeier ein ganz besonderes Ereignis war, zeigte nicht nur die Hochrangigkeit der Gäste: Neben dem Ersten Sekretär der deutschen Botschaft, Hans von Schröder, waren auch Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft und der stellvertretende Bürgermeister des Stadtdistrikts anwesend. Auch die beachtliche Präsenz ruandischer Medien, unter anderem das ruandische Fernsehen, das mehrmals über die Eröffnungsfeier in den Abendnachrichten berichtete, verlieh dem Ereignis ein besonderes Flair. Nach dem offiziellen Teil wurden Snacks und Cocktails gereicht. Einen gelungenen Ausklang fand die Eröffnung mit dem Auftritt der populären ruandischen Hip-Hop-Band „Kigali Boyz“ (KGB), die der Sendung „Heza“ den gleichnamigen Song widmete, dessen Jingle jede Woche als Auftakt gespielt wird.
Text: Sabrina Schirmer, Journalistin und Entwicklungshelferin des DED in Ruanda.
Fotos: Andreas Wagner (oben), Sabrina Schirmer (unten)
Mehr zu diesem Projekt erfahren Sie im DED-Brief 4/2007 "Postkonfliktsituationen in Afrika" (S. 27-29).
Weitere Informationen:
West- und Zentralafrika
Gestohlene Kindheit.
Unter dem Titel „Enfance volée“ – „Gestohlene Kindheit“ berichten die Heza-Zeitung und -Radiosendung über die sehr unterschiedlichen Erfahrungen und Schicksale junger Ruanderinnen und Ruander. Die Interviews mit den Jugendlichen machen deutlich: Alle leiden unter dem, was geschehen ist!

